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Marktplatz - Die Geschichte der Stadt Steinheim

◀️ Informationen

Kurzbeschreibung

An der Stelle des früheren Rathauses wurde 1855 der "Kump" errichtet. Er diente als Vorratsbecken für Löschwasser und versorgte die Umgebung des Marktplatzes mit Trinkwasser. Sein Zufluss erfolgte erfolgt mit natürlichem Gefälle von einer Quelle im "Schneesiek" an der Hagedorner Straße. Die ursprünglichen Tonrohre der Zuleitung wurden später durch Eisenrohre ersetzt.

Die Pläne für die Anlage fertigte der damalige Bürgermeister Vahle - die Ausführung übernahm der Maurermeister und Architekt Wilhelm Lakemeier. Die achteckige Mittelfontäne wurde 1858 von dem Holzmindener Bildhauer Ritterbusch nach Entwürfen von Philipp und Julius Vahle geschaffen.

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Hier sehen Sie ein Video zur Geschichtes des Steinheimer Brunnen - Kump

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Meine sehr geehrten Damen und Herren, 
ich freue mich, dass ich sie heute durch diese Stadt führen kann, Ihnen Steinheim zeigen kann. 

Wir stehen hier auf dem Marktplatz der Stadt, mitten im Herzen Steinheims, lange bevor Fürstbischof Simon der I. Steinheim die Stadtrechte verlieh. 1275 war er schon der bedeutendste Ort in der ganzen Umgebung. Schon 50 Jahre vorher wird von einem Rat gesprochen und von einer Mauer, die die Stadt schützte. 1231 wurde Steinheim 5. Archidiakonats-Sitz, das heißt wurde kirchlicher Mittelpunkt des Wetigaus, der bis weit ins Lipperland hineinreichte.  

Der Bau der Stadtmauer war vom Fürstbischof vorgegeben und diese Stadtmauer hat dann für alle Zeiten den Grundriss unserer Stadt geprägt. Ringsum die Stadt, die Mauer als Schutz, Uniform eines großen Y. Drei Hauptstraßen, nach Norden hin zum Oberen Tor laufend, nach Osten hin zum niederen Tor und nach Westen hin zum Windtor hin. 

Diese drei Tore waren besonders geschützt und in dieser durch Mauer und Toren geschützten Stadt konnten die Menschen in Ruhe und relativer Sicherheit leben. Das Ganze wirkte wie eine große Burg. Innerhalb der Stadt waren die Bürger hinter der Mauer geschützt und von hier aus konnte man die ganze Gegend kontrollieren und schützen. 

In diesen Torhäusern befanden sich die drei Gaststätten der Stadt. Die 4. und älteste befand sich an dieser Stelle an der wir hier stehen, das war der sogenannte Ratskrug. Diese vier Gasthäuser hatten eine Aufgabe. Sie wurden verpflichtet jeder bei Beginn der Dunkelheit eine Laterne nach draußen zu hängen, die erste Straßenbeleuchtung Steinheims damals. 

An der Stelle, an der wir uns hier befinden, stand früher das alte Rathaus, drei-geschossig, viel zu groß gebaut. Man wollte mit diesem Rathaus repräsentieren. Man wollte zeigen, die Bürger dieser Stadt und deren Sinnbild, war das Rathaus, wollen hier mit Verantwortung übernehmen, wollen hier diese Stadt und das Leben der Bürger gestalten. Deshalb wurden überall und so auch hier, die Rathäuser viel zu groß gebaut.
Im Erdgeschoss befand sich die Verwaltung und befand sich das Gefängnis der Stadt, denn jede Paderborner Stadt hatte auch die niedere Gerichtsbarkeit, konnte über die einfachen Straftaten zu Gericht sitzen und auch Sünder im Rathaus einsperren. 

Darüber befand sich der einzige Festsaal der Stadt, nur von außen über eine Treppe zu erreichen, was vor allen Dingen, wenn Alkohol getrunken wurde, hin und wieder sehr problematisch war. 
Auf dem Boden oben wurde nach der Ernte Getreide getrocknet. Dann reichten die Lager in den Bauernhäusern oder in den Gutshöfen nicht aus und der Dachboden wurde meistens an die umliegenden Rittergüter als Lager verpachtet.

Der Kump:
20 Jahre nachdem man das alte Rathaus hier 1835 abgebrochen hatte, baute auf Anregung des damaligen Bürgermeisters der Rat den Kump. Heute die Zierde und das Wahrzeichen unserer Stadt. 
Er wurde aber nicht als Zierrat gebaut, sondern hatte einen sehr praktischen Zweck. Wenn eine der damals recht zahlreichen Brandkatastrophen ausbrach, waren die Hausbrunnen sehr schnell leer geschöpft, die Eimerketten der Bürger wurden immer länger und so wollte man hier einen riesigen Löschwasser Vorratsbehälter schaffen, der bei Brandfällen immer zur Verfügung stand und immer gefüllt war. Mit 3,50 Meter Tiefe und 7 Meter Durchmesser hatte er ein enormes Fassungsvermögen. 

Die Zuleitung von der Lother Straße her, war die erste Wasserleitung Steinheim. Die umliegenden Familien hier ließen die Leitung in ihre Wohnung legen, hatten schon vom ersten Tag an fließendes Wasser. Der Kump war mit zwei großen Kränen versehen, die Einfuhrlöcher kann man heute noch sehen. Dort holten die Familien aus der Nähe des Kumps ihr Trinkwasser, immer frisches Quellwasser. Sie konnte auf die eigenen abgestandene Brunnen verzichten. Eine kleine Leitung legte man für die Bewohner der neuen Straße durch die damalige Friedengasse, heute Anton-Spilker-Straße, damit auch die Leute dort an das Wasser kamen. Der Wasserspeier, der Tag und Nacht lief, wird heute noch bei den Steinheimern gern als Pissmänneken bezeichnet. Er ist erhalten geblieben, steht heute an der Höxterstraße, spendet allerdings kein Quellwasser mehr, sondern wird vom Überlaufswasser des Kumps gespeist.

Das neue Rathaus:
Wie beim alten Rathaus so wurde auch beim neuen Rathaus Repräsentation an die erste Stelle gerückt. Das Rathaus wurde viel zu groß gebaut. Es fasste 1835, als es eröffnet wurde nicht nur die Stadtverwaltung, wenig später kam die gesamte Rektoratsschule hinzu, die Lehrerwohnung. Im Rathaus war das Spritzenhaus der Stadt untergebracht und das Gefängnis, von uns liebevoll das Kittchen genannt. 

Wenn wir einen Blick auf die frühere Situation der Stadtverwaltung, die ja in den Rathäusern stattfand, werfen, dann kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Der Stadtrat und der Bürgermeister, sie wurden nur für ein Jahr gewählt. Aber es gab keinen aufwendigen Wahlkampf. Es gab keine gegenseitigen Beleidigungen oder Wahlversprechen. Nein. Am Geburtstag der Stadt, am 2. Februar, holte man Abends die zehn Offiziere der Schützengesellschaft, der niedertorschen und der windtorschen Kompanie aufs Rathaus, schloss sie ein und die wählten dann den Stadtrat für das kommende Jahr. Erst wenn sie klopften, weil sie sich einig geworden waren, wurden die Türen wieder geöffnet und das Regieren in Steinheim konnte fortgefahren werden.
Das hört sich heute sehr demokratisch an, hat aber eine kleine Einschränkung. Der Stadtrat konnte nur aus der dünnen sozialen Oberschicht, aus der sogenannten ratsfähigen Familien gewählt werden. Die bäuerliche Schicht und die unterbäuerliche Schicht hatten auf das Regiment der Stadt keinerlei Einfluss. 

Der alte Rat trat aber nicht ganz ab, er war neben dem regierenden Rat der sitzende Rat. Jedes Mal, wenn wichtige Entscheidungen in Steinheim anlagen, dann kamen beide Räte zusammen, ergänzt durch die zehn Schützenoffiziere. Sie tagten im pleno, das heißt alle hatten Sitz und Stimme und konnten diese wichtigen Sachen entscheiden.

Noch ein Kuriosum zum Neubau des neuen Rathauses. 1835, der Bürgermeister vermerkte damals in der Stadt, das Rathaus hat 6000 Taler Baukosten verursacht. Es hätte wesentlich billiger sein können, wenn die Steinheimer nicht so viel Holz und Steine gestohlen hätten.

 

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