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Der Steinheimer Tisch

Die Idee für eine Ausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige hatte die Presbyterin Minah im Jahr 2004. In der Praxis ihres Mannes, Dr. Jacob Minah (Kinderarzt in Steinheim), sah sie täglich finanzielle Not bei Familien und Alleinerziehenden. Als Hausfrau sah sie auch die Menge guter Lebensmittel in den Abfalltonnen der Supermärkte. Pastor Beimdiek und das Presbyterium waren sofort einverstanden. Der benötigte Platz, Kühlschränke und Tiefkühler wurden mietfrei im evangelischen Gemeindezentrum zur Verfügung gestellt. Die Steinheimer spendeten die noch guten, aber nicht mehr verkaufsfähigen Lebensmittel und die Firma Goeken Backen Brot und Kuchen.

Die ersten Helfer holten jeden Montag die Lebensmittel mit ihren privaten PKW ab. Bis heute erfolgt die Ausgabe jeden Dienstag von 9.30 bis 11.30 Uhr. Einzige Bedingung ist eine entsprechende Bestätigung über die Hilfebedürftigkeit durch die Stadt Steinheim oder dem Jobcenter Kreis Höxter. Eine Schutzgebühr von einem Euro pro Erwachsenen (Kinder sind frei) wird für jede Ausgabe erhoben.

Frau Minah sprach damals Steinheimer Banken und Firmen an, um Spenden für Lebensmittel-Zukäufe zu bekommen. Grundnahrungsmittel wie Nudeln, Reis, Mehl und Zucker bekamen wir nur sehr selten. Auch sollte der Traum von einem eigenen Fahrzeug irgendwann wahr werden. Im Jahre 2006 regte der WDR im Radio und im Fernsehen in der Bevölkerung an, Weihnachtspakete für Bedürftige über die Tische und Tafeln zu spenden. Auch da sind wir jedes Jahr dabei.

2011 bekamen wir dann endlich unser erstes Auto, einen gebrauchten dunkelgrünen VW-Bulli der Bundeswehr. Auch da erlebten wir wieder die schon bekannte Hilfsbereitschaft der Steinheimer. Die Lackiererei Erwin Schwarz brachte unser Fahrzeug kostenlos „auf Vordermann" und lackierte es neu. Die Firma MAC aus Wöbbel entwarf, ebenfalls als Spende, ein tolles Logo. Fünf Jahre ächzte dann unser liebevoll „Grüne Minna" genannter Bulli unter der Last der Waren.

Ende 2013 zog die Familie Minah nach Bielefeld. Gabriele Valentin (Mitglied des Presbyteriums) wurde daraufhin als Sprecherin des Teams gewählt.

Eine ganz besondere Würdigung unserer Arbeit bekamen wir von der Stadt Steinheim, als dem Steinheimer Tisch 2013 die Bürgermedaille verliehen wurde.

2015, bei einer Spendenübergabe der Firma Heine im neuen Ford-Store in Bergheim, wurde dort ein würdiger Nachfolger für den Bulli gefunden, der inzwischen ca. 330.000 km gefahren war. Der weiße Ford-Transporter mit dem gleichen Logo ist seitdem in der Großgemeinde und darüber hinaus bekannt.

Auf Anregung der Lebensmittelkontrolle, die die Räumlichkeiten des Steinheimer Tisches regelmäßig besucht, konnte 2014 einen Kühlraum im Gemeindezentrum gebaut werden. Planung und Bauaufsicht lagen beim damaligen Kirchmeister Werner Klein.

Alle Aktionen, Lebensmittelkäufe, Auto, Laptop und Kühlraum waren und sind bis heute nur durch Spenden der Steinheime Bürger möglich geworden. Auch die durch die Flüchtlinge ab 2015 stark gestiegene Zahl der Bedürftigen konnte nur mit zusätzlichen Mitteln bewältigt werden.

Wie in all den vergangenen Jahren werden wöchentlich an rund 320 sozial benachteiligte Menschen Lebensmittel ausgegeben. Die 13 aktiven Frauen und Männer arbeiten als Team mit Gabriele Valentin als Sprecherin zusammen. Annelies Niehörster ist für die Finanzen zuständig. Udo Valentin hat ein EDV-Programm erarbeitet, welches uns die Erfassung aller notwenigen Daten abnimmt.
Manchmal werden wir gefragt, warum wir das alles tun. Warum wir Zeit und Kraft opfern, auch wenn es schon mal schwer fällt. Meine Antwort ist einfach: Mehr Unterstützung durch unsere Stadt, durch ihre Menschen und durch unsere Kirche, mehr Herzlichkeit im Team und von unseren Tischgästen habe ich im Leben nie erfahren! Dafür bin ich sehr dankbar.

Autor: Annelies Niehörster 
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