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Kinderkarneval der Steinheimer Schulen

Mit Karneval in Steinheim bin ich aufgewachsen.
Als ich aber nach dem Studium 1968 als Lehrerin an die Grundschule zurückkam, war ich doch erstaunt, wie viel sich inzwischen verändert, welchen Umfang der Karneval in der Stadt angenommen hatte.

1965 setzte sich Franz Hoffmann, Rektor der damaligen Volksschule, mit seiner Auffassung durch, dass Karneval als historisches Brauchtum in Steinheim Teil des regulären Unterrichts sei. Daran hat sich bis heute wenig geändert, weil seine Nachfolger diesen Standpunkt weitgehend übernommen haben. Das galt auch für die evangelische Volksschule, bzw. die spätere Gemeinschaftsgrundschule.
So konnten 1965 Peter Lödige und Ursula Sieg als erstes Schulprinzenpaar residieren. Von Musik begleitet wurden etwa 1000 kostümierte Kinder aller Klassen von der Schule abgeholt und zum Rathaus begleitet. Seitdem gehört der Schülerkarneval zum Rosenmontagsprogramm in Steinheim.
Vorher hatte es mehrfach Ansätze gegeben, auch für Kinder separate Veranstaltungen zu machen. So war es zeitweise der Männergesangverein Liederkranz, der am Karnevalssonntag die Kinder zu einem Umzug einlud. Wie Hermann Löneke berichtet, kamen zu dieser Zeit die Kinderprinzenpaare aus dem Kinderchor des Ehepaares Evenkamp (Organist der kath. Kirche).

Kinderkarneval, das war und ist natürlich nicht nur der Rosenmontag. Lange vorher durften sich die Kinder melden, die den Wunsch hegten, Prinz oder Prinzessin zu werden. Bevor die Namen der Anwärter in die Lostrommel kamen, mussten die Eltern ihr Einverständnis geben. Immer meldeten sich deutlich mehr Prinzessinnenanwärter als Prinzen. Zunächst waren nur die vierten Klassen beteiligt, später auch die dritten, weil die Durchführung des Kinderkarnevals wechselweise bei der Katholischen- und der Gemeinschaftsgrundschule lag. Jedes Kind sollte, zumindest theoretisch, die Chance haben, dieses Amt bekleiden zu dürfen. Bei diesem System gab es natürlich auch „Verlierer“. Um die Enttäuschung einiger Anwärter abzumildern durfte die neue Prinzessin jeweils zwei Hofdamen ermitteln und der Prinz zwei Wächter.

1983 und 1984 wurde die Inthronisation mit allen Grundschulkindern am Donnerstag vor dem Rosenmontag (Weiberfastnacht) im Mehrzweckraum der Sparkasse gefeiert. Nach der Prinzenwahl wurde jeweils der Karnevalsfilm des Vorjahres gezeigt. Am Rosenmontagsmorgen war dann in der Grundschule ein buntes Karnevalsprogramm, bevor der bunte Kinderumzug zum Rathaus startete.

In diesen Jahren wurde die Grundschulturnhalle noch von der StKG geschmückt, denn der Galaabend wurde dort durchgeführt. Nach Umzug in die Schützenhalle kamen dann neue Aufgaben auf die Kunstlehrer zu:
alle Klassen beteiligten sich am Schmuck der Halle, die jetzt immer öfter zu einem bestimmten Motto dekoriert wurde. Auch die Kostüme der Kinder einer Klasse wurden nun vermehrt einheitlich gestaltet und in manchen Jahren von der Karnevalsgesellschaft prämiert.
Zur 20-Jahr-Feier des Steinheimer Kinderkarnevals 1986 stand der gesamte Kinderkarneval unter dem Thema „Indianer“. Der WDR mit Michael Thamm war live dabei und so konnte sich ganz Ostwestfalen und Lippe am Abend in der Lokalzeit über unseren Karneval freuen.
Wegen des Irak-Krieges fielen 1991 die Karnevalsfeiern aus. Statt dessen wurden zum Thema „Gesunde Ernährung“ Projekttage durchgeführt.

Heute wird das kleine Prinzenpaar schon am 11.11. um 11 Uhr11 im Herzen der Stadt ermittelt. Der Terminplan der Kinder ist nun bis zum Aschermittwoch reichlich gefüllt: sie treten in Seniorenheimen, Kindergärten und Vereinen auf, meistens bei der Eröffnung der Karnevalsausstellung im Möbelmuseum und beim Galaabend. Karneval ist ein Fest, das generationsübergreifend in Steinheim gefeiert wird.

Die „tollen Tage“ beginnen für die Grundschüler schon am Freitag vor dem Rosenmontag. In den ersten zwei Schulstunden steht Klassenkarneval auf dem Plan, dann geht es in die Turnhalle zur Feier der ganzen Schule. Im Beisein vom Prinzen und Elferräten der StKG findet die Schlüsselübergabe des jeweiligen Rektors (Rektorin) statt und das Kinderprinzenpaar übernimmt die Leitung der Schule. Schwerpunkt der Regierungserklärung ist dann „Hausaufgabenfrei, Abbau von Schulstress, mehr Freiheiten im Schulalltag, Verbot von schlechten Noten...“. Natürlich werden alle Ankündigungen mit Begeisterung von der Schülerschaft aufgenommen.

Höhepunkt des karnevalistischen Treibens ist natürlich der Rosenmontag. Begleitet von Lehrern, Musikkapellen, Hofdamen, Wächtern, Eltern, der Schulgarde und vor allem von den verkleideten Mitschülern hält das kleine Prinzenpaar eine Rede auf der Rathaustreppe. Im Rathaussaal treffen sich dann die Prinzenpaare, das „kleine“ und das „große“ und der neue Träger des Rosenmontag-Morgen-Ordens. Am Nachmittag nimmt das Kinderprinzenpaar und viele andere Grundschüler am Karnevalsumzug teil und alle werden von den Zuschauern bejubelt.
„Seit meiner Grundschulzeit habe ich davon geträumt, einmal im Leben Prinz zu sein“, habe ich schon mehrmals von ehemaligen Schülern gehört.
Schulkarneval, eine prägende Tradition, jetzt schon 53 Jahre.

„Meine Prinzessin ist eine Dame...“
Inge Stock, Lehrerin an der katholischen Grundschule
und begeisterte Karnevalistin schrieb 1984 folgende Verse:

Kinder, es ist wirklich wahr:
Am Dienstag, dem 18. Januar
Kürten wir das neue Kinderprinzenpaar.
Nun hört, wie das gekommen war:

Viele Jungen aus Klassen 3 und 4
Wollten Prinz werden, glaubt es mir.
Doch nur einer konnte es sein;
Wer, das entschied das Los allein.

Tage des spannenden Wartens vergingen.
- Mancher Junge übte schon heimlich das Singen.-

Schließlich rief Rektor Strato
Und freute sich dolle:
„Kinder, der neue Prinz heißt Rochus Grolle!“

Groß war der Jubel, ich höre es noch:
„Hoch lebe Prinz Rochus, er lebe hoch!“

Rochus selbst war gerührt,
er konnt` es kaum fassen.
Man jubelte ihm zu aus allen Klassen.
In einer Frage stimmten alle mit ein:
„Rochus, wer wird deine Prinzessin sein?“

Prinzessin zu werden, das ist keine Frage,
war der Wunsch vieler Mädchen an diesem Tage.
Die Namen der Hübschen, bestimmt mehr als sieben,
wurden auf einzelne Zettel geschrieben.

Prinz Rochus fasste in die Lostrommel rein;

Bald hielt er einen Zettel in der Hand
Und er verkündete dem ganzen Land:
„Meine Prinzessin ist eine Dame;
Diana Djuric, das ist ihr Name!“

Diana ist glücklich, das ist doch klar.
Mit Rochus regiert sie die Kinderschar.
Den Karnevalsruf kennen beide genau:
„Stimmt alle mit ein: Steinheim man teou, man teou, man teou!“

Autor: Regina Schuler 
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