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Das Sportabzeichen

Der Sportfunktionär und Publizist Carl Diem (1882 - 1962) gilt als Initiator des Sportabzeichens. Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm hatte er die „Idrotts-Märke“ (schwedisches Sportabzeichen) kennengelernt. Mit Leidenschaft und Energie betrieb er die Einführung einer ähnlichen Auszeichnung, abgestimmt auf die deutschen Verhältnisse. Am 21. 03. 1913 waren vom Dachverband alle Bedingungen ausgehandelt und der DRA gab grünes Licht. Das Sportabzeichen startete unter der umständlichen Bezeichnung: „Auszeichnung für vielseitige Leistungen auf dem Gebiet der Leibesübungen.

Das Sportabzeichen war zunächst reine Männersache. Im Gründungsjahr wurden 231 Abzeichen verliehen, im Folgejahr hatte sich die Anzahl mit 1032 mehr als vervierfacht. Der Erste Weltkrieg brachte das Unternehmen Sportabzeichen jedoch völlig zum Erliegen.

Beim Neuanfang nach dem Krieg drängten nun auch die Frauen nach vorn. Anfang 1921 war es dann soweit, der Deutsche Reichsausschuss (DRA) genehmigte die Auszeichnung unter der neuen Bezeichnung: „Deutsches Turn- und Sportabzeichen“ (für Frauen / Männer). Im ersten Jahr gab es 189 erfolgreiche Bewerberinnen. Damit war der Bann gebrochen. Bereits 1925 wurde das Reichsjugendabzeichen für die männliche Jugend eingeführt, die Mädchen mussten noch 3 weitere Jahre warten.

In Steinheim hatte das Sportabzeichen einen zähen Start. Immerhin gab Turnwart Richard Büchter bei der Monatsversammlung im Dezember 1921 die Bedingungen für den Erwerb des Deutschen Turn- und Sportabzeichens bekannt. Daraufhin meldeten sich zehn Turner, die im Sommer 1922 diese Prüfungen ablegen wollten. Was daraus geworden ist , wurde nicht überliefert. Das erste belegte Sportabzeichen überhaupt schaffte Alice Emmerich aus der Bahnhofstrasse 32. Sobald sie 18 Jahre alt geworden war, bestand sie die erste Prüfung. Auch in den weiteren Disziplinen brachte sie ansprechende Leistungen. Beim Kugelstoßen tat sie sich (aufgrund ihrer zierlichen Figur) aber recht schwer. Am 09. 08. 1927 bestätigte der DRL ihr Sportabzeichen in Bronze unter der laufenden Nummer 4883. Von 1921 – 1927 wurden in ganz Deutschland lediglich 6735 Urkunden für Frauen ausgestellt.

Die Angaben in den Protokollbüchern des Turnvereins zu diesem Thema sind eher spärlich, die Arbeit rund um das Sportabzeichen wird nur beiläufig erwähnt. Einen Hinweis gibt es im Herbst 1929, wo es unter Punkt c) Turn- und Sportabzeichen-Prüfung heißt: Die Turnbrüder, die die obige Prüfung ablegen wollen, werden ersucht, am Mittwochabend 6 Uhr (4. Sept.) an der Kurzen Brücke zum Schwimmen anzutreten. Der Jahresbericht 1930 nennt konkrete Zahlen: Es fanden sieben Prüfungen statt. Das Ergebnis waren zwei Reichsjugendabzeichen für Jugendturner und drei Turner errangen das Deutsche Turn- und Sportabzeichen. Der Sport allgemein erfuhr in dieser Zeit einen Aufschwung. So konnte sich Frauenturnwart Karl Leßmann über 14 Neuaufnahmen in seiner Abteilung freuen. Diese Frauenpower blieb nicht ohne Folgen. Im Herbst 1932 berichtete die Steinheimer Zeitung von 7 Bronzeabzeichen für Martha Weinholz, Toni Löwen, Ilse Köllermeier, Gertrud Hölscher, Helene Busch und Hanna Henning. Mit Gold wurde Änne Stratomeier ausgezeichnet. Das war nicht nur das erste Goldabzeichen im TV Steinheim, sondern mutmaßlich auch im gesamten Ostwestfälischen Turngau.

Ein Jahr später bestand Ilse Herzfeld die Prüfungen für das Reichsjugendabzeichen. Die 14 jährige Internatsschülerin des Michaels Klosters Paderborn begann in Steinheim mit den 3 leichtathletischen Übungen am 04. 09. 1932. Ihre Schwimmprüfungen über 200 und 400 m im Folgejahr im Karlsbad Paderborn zeigten ebenfalls gute Leistungen. Über weitere Sportabzeichen im Verein ist nichts bekannt. Zum Ende des 2. Weltkrieges kam die Aktion Sportabzeichen völlig zum Erliegen.

Nach Krieg und Zerstörung tat man sich wiederum schwer mit dieser sportlichen Auszeichnung. Im Dezember 1950 wurde der Deutsche Sportbund (DSB) gegründet. Dieser Dachverband gab nach langen Beratungen grünes Licht und mit dem Stichtag 01. 04. 1952 begann ein neues Kapitel für das „Deutsche Sportabzeichen“. Nachdem auf Drängen des Vorsitzenden Johannes Wiedemeier die Turnhalle wieder geräumt war, konnte der TV Steinheim am 01. März 1948 seinen regelmäßigen Sportbetrieb wieder aufnehmen. Hinweise auf Sportabzeichen (ab 1952) sind wiederum spärlich. Für 1954 lesen wir: Obschon 5 Männer die Langstrecke (5.000 m) in guter Zeit bewältigten, gab es nur 2 Sportabzeichen für Kalthoff und Wolf. Im nächsten Jahr wurde ein Jugendabzeichen ausgegeben, für Männer gab es dreimal Bronze und ein Silberabzeichen. 1960 erfahren wir von 5 Abzeichen, davon eines in Gold für Heinrich Rheker. Bei der Abnahme der Sportabzeichen am 27. 08. 1961 konnten 8 Männer- und 8 Jugendabzeichen erworben werden. Zwölf Jahre später wurde erstmals die Schallmauer von 100 durchbrochen

Seit der Übernahme der Vereinsführung durch Helmut Ovenhausen liegen ab 1976 genaue Zahlen vor. Ab diesem Zeitpunkt sind alle erfolgreichen Bewerber namentlich erfasst. In der ersten Liste sind 45 Erwachsene, 3 Jugendliche und 21 Schüler aufgeführt. Diese Zahlen schwankten in den Folgejahren gewaltig und erreichten in 2000 den absoluten Tiefstand (16 Erwachsene, 2 Jugendliche, und 3 Schüler = 21). Zum 100. Geburtstag des Vereins sollte für jedes Jahr des Bestehens ein Sportabzeichen verliehen werden. Trotz aller Anstrengungen wurde das Ziel verfehlt. Mit 93 Auszeichnungen konnte man trotzdem halbwegs zufrieden sein.

Stahlende Gesichter gab es 2012, als genau 100 Sportabzeichen verliehen werden konnten. Seitdem ist die Anzahl konstant dreistellig. Dazu beigetragen hat sicherlich die Jahrhundertreform 2013, als die Farbe der Auszeichnung von der Leistung abhängig gemacht wurde. Gleichzeitig wurde das Eintrittsalter von 8 auf 6 Jahre gesenkt.

Das Sportabzeichen, das zwei Weltkriege überstanden hat, ist bekannt und beliebt. Trotzdem wird es die ganz großen Zahlen nicht geben, weil dieser sportliche Mehrkampf naturgemäß gewisse Anstrengungen beinhaltet. Leistung bleibt immer gefragt, ein Teilnehmerabzeichen soll es nicht sein.

Autor: Josef Waldhoff 
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