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Die Gründung des Steinheimer Möbelmuseums

Schon in den 1970er Jahren kam der Gedanke auf in Steinheim ein Möbelmuseum aufzubauen. Schließlich war Steinheim einmal die Möbelstadt in Deutschland schlechthin. Nirgendwo anders gab es in einer Kleinstadt dieser Größe so viele Möbelwerkstätten und Möbelfabriken wie hier. Seit 1864 hatte Steinheim 84 Möbelfabriken oder Tischlereien. Dazu kamen noch 14 Holz-Bildhauereien und 10 Drechslereien. Doch zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts war es damit vollständig vorbei.

Bei einem Gespräch mit meinem Bruder Johannes Waldhoff bemerkte dieser lapidar: „Das ist jetzt 20 Jahre zu spät, es ist ja nichts mehr da“. Im Nachhinein gesehen war das ein großer Irrtum.

Als es im Herbst 1999 darum ging für das Jahr 2000 das Stadtjubiläum „725 Jahre Stadtrechte“ vorzubereiten, fand sich ein größerer Kreis von Bürgern als Festausschuss zusammen. Wegen Geldmangel gab es für die Gestaltung des Jubiläums nur wenig brauchbare Ideen und Vorschläge, bis meine Schwester Regina Schuler ein schlüssiges Konzept vorlegte. Umgesetzt wurden: Ein Kinderumzug mit Musik und Laternen um die Stadtmauer mit anschließender Gratulation beim Bürgermeister vor dem Rathaus, Illuminationen auf dem Marktplatz, ökumenischer Gottesdienst in St. Marien und ein großer Festakt in der Stadthalle mit anschließendem Feuerwerk.

Eine besondere Idee hatte Regina Schuler mit einer Schaufenster-Ausstellung. Private Steinheimer Künstlerinnen und Künstler bekamen die Möglichkeit sich mit ihren Werken der Öffentlichkeit vorzustellen. Hinzu kamen Bürger mit anderen Hobbys oder mit eigener Firmengeschichte. In vielen Steinheimer Geschäften hatte Frau Schuler die Zusage bekommen, Schaufenster oder Teile davon für je eine Ausstellung bereit zu stellen. Es wurde ein voller Erfolg, seit langem war die Marktstraße nicht mehr von so vielen Bürgern besucht worden. Insgesamt waren es 55 Ausstellungen die für je zwei Wochen von den Steinheimer Bürgern besucht werden konnten.

Zu mir kam sie mit einer Bitte: “Du bist der richtige Mann für eine Ausstellung von Möbeln des ehemaligen Steinheimer Möbelhandwerks. Und dafür bekommst du ein ganzes Ladenlokal von 120 qm Größe an der Marktstraße“. Ich sagte zu, war mir aber im Klaren darüber, dass für eine so umfangreiche Aktion die Zeit von neun Wochen sehr knapp werden würde. Zudem war offen wie viel Unterstützung und Bereitstellung von Leihgaben ich erwarten konnte. Und natürlich standen keinerlei finanziellen Mittel zu Verfügung.

Als ich dann auf der Suche nach Ausstellungsstücken war, erlebte ich ein sehr großes Entgegenkommen der Steinheimer. Schon bald konnte ich keine Zusagen mehr annehmen, weil ich möglichst viele ehemalige Möbelfirmen berücksichtigen wollte. Es waren nur mehr Bilder, Zeichnungen, Urkunden und Kleinteile gefragt. Auch Bildhauer und Steinheimer Künstler sollten mit ihren Arbeiten dabei sein. Die Ausstellung wurde am Jubiläumstag, dem 2. Februar 2000, eröffnet. Sie war nicht unbedingt professionell, aber äußerst interessant und ständig gut besucht.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung tauchte das Wort „Möbelmuseum“ wieder auf, und in einer unverbindlichen Liste für die Mitgliedschaft in einem noch zu gründenden Förderverein hatten sich etliche Leute eingetragen.

Im Heimatverein Steinheim unter der Leitung von Erhard Potrawa und dem Stadtheimatpfleger Johannes Waldhoff wurde einige Wochen später der Beschluss gefasst für Steinheim ein Möbelmuseum aufzubauen. Darin sollten in Steinheim gefertigte Möbel, aber auch Zeichnungen, Schrifttum, Kataloge, Fotos, kurz alles was für die Geschichte der hiesigen Möbelindustrie wichtig war, gesammelt werden. Als lokales Kulturgut sollte es geschützt und erhalten werden.

Mit dem Jahr 2001 wurde damit begonnen die erste Etage der längst stillgelegten Möbelfabrik Günther für das Möbelmuseum herzurichten. Viele Helfer aus dem Heimat- und dem Förderverein ermöglichten es durch ihre Eigenleistungen, dass die Kosten im Rahmen blieben.

Am 6. Juni des Jahres 2002 war es dann soweit: Das Möbelmuseum konnte feierlich eröffnet werden und wurde zu einer unerwarteten Erfolgsgeschichte. Aus dem Leben der Steinheimer Bürger ist es heute nicht mehr wegzudenken.

Autor: August Waldhoff 
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